Filmdrama DJK Adler Portnirf – Eine Frage der Ehre!
Filmdrama:
DJK Adler Portnirf – Eine Frage der Ehre!
Ich hatte schon 3 DINA 4 Seiten fertig. Zeilen voller Dankbarkeit und Floskeln, wie schön es doch war etc.
Erinnerungen an die 2 letzten Jahre AU3. Höhen und Tiefen. Lustige Anekdoten etc. Aber dann habe ich wieder alles gelöscht!
Ich fand es doch nicht angebracht, hinsichtlich der Entwicklung und Abwicklung der letzten Wochen!!! Irgendwie sitzt der Stachel doch tiefer als gedacht.
Aber Nachtreten ist nicht nur unsportlich, sondern war noch nie mein Ding.
Dann erschien mir auffen Klo eine Vision, als ich so auf die weißen Fliesen starrte …
Eigentlich könnte man doch einen Kinofilm darüber drehen. Deshalb habe ich mal ein kurzes Drehbuch geschrieben.
Zugegeben, ich musste ein wenig ausholen, aber zum Verständnis aller war es notwendig.
Vielleicht findet sich ja ein Regisseur, der dieses Drama auf Celluloid bannen kann?
Aus rechtlichen Gründen und wegen der neuen Datenschutzbestimmungen muss ich diesen Satz hinzufügen:
Die Personen und die Handlung des Films sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.
Drehbuch zum Filmdrama:
DJK Adler Portnirf – Eine Frage der Ehre!
Die Handlung spielt in einem kleinen Dorf. Es liegt auf einer Anhöhe und zu fast allen Seiten geht es bergab und verläuft zumeist in irgendeinem Grüngürtel. Ideal für Wanderer, Kinder, Freizeitsportler oder einfach mal mit dem Hund rauszugehen. Die Einwohnerzahl von „Portnirf“ liegt bei ca. 8.000 Einwohnern, von denen die meisten in Oberportnirf leben. So – dies zur Einstimmung.
Der Film beginnt zeitlich im Jahre 2018. Genauer gesagt im Juni 2018. In einer schon in die Jahre gekommenen Umkleidekabine (Baujahr 1959) stehen 20 junge schwitzende Menschen und die Trainer. Das Licht ist aus, weil der komische Platzwart immer pünktlich um 21.30 Uhr sowohl das Licht ausmacht, als auch alle Türen abschließt, weil er einfach keine Zeit hat, mal ein paar Minuten länger zu bleiben, um mit der nächsten Straßenbahn zu fahren, die hier in Portnirf alle 10 Minuten fährt.
Ein Spieler, der als Sprachrohr der Mannschaft ernannt wurde, hält ein Plädoyer auf die Mannschaft und den Verein und am Ende lassen alle enttäuscht die Köpfe hängen. Es herrscht Totenstille in den Katakomben und alle gehen geräuschlos und gefühlslos in alle Himmelsrichtungen auseinander.
Cut.
September 1978:
Der 9 jährige Portnirfer Junge Ralle Lhop kommt mit flatschneuen Fußballschuhen von adidas und mit riesengroßer Vorfreude zum Sportplatz in Oberportnirf.
Mudder, Vadder, Oppa und ein paar Freunde im Schlepptau, die heute auch ihren großen Tag hatten. Nämlich der erste Trainingstag im Fußballverein „DJK Adler Portnirf”.
Stolz marschieren sie zum oberen Ascheplatz, im Volksmund auch Knabenplatz genannt. Immer wieder wirbelt der Wind die lose rote Asche zu einem Hurrikan auf, aber den Jungs macht das nichts aus. Ralle wischt sich wie alle anderen durchs Gesicht und richtet sich wieder auf.
Der Trainer, ein alter Mann mit Schlägerkappe, gegrüßt Ralle und die anderen Frischlinge herzlich und bittet sie, sich in den Kreis zu stellen.
Nachdem sich alle mit Namen vorgestellt haben, reihen sie sich in den Kreis ein und plötzlich fängt der alte Mann an zu singen!? „Die Portnirfer Adler, sind überall bekannt, man erkennt sie schon vom Weitem, am grün und weißen Band …“. Gefühlte 100 Strophen über einen jeden Teil einer Fußball Mannschaft wurden besungen. Ralle schaute zu seinem Freund Schneider rüber, der Achselzuckend antwortete, aber danach aus voller Brust den Refrain mitschmetterte.
Das Training machte Ralle auch riesigen Spaß. War schon was anderes, als auf der Kirchwiese mit Schneider, Lübke und Miko Könige ausschießen spielen. Die weiße kurze Buxe vom Ralle hatte schon bald die Bezeichnung weiß nicht mehr verdient. Auch das Erdgas-Trikot vom Schneider von Borussia Mönchengladbach war durchzogen von roter Asche.
Schnell merkte Ralle auch, dass Grätschen hässliche Löcher in Hände und Schienbeine verursachten. Aber das machte nur die Hälfte. „Ein Indianer kennt kein Schmerz!“, sagte Oppa Ernst, der schon in der Gau-Liga (oberste Spielklasse im Deutschen Reich von 1933 bis 1945) für Adler Portnirf aufgelaufen war.
Ralle durchlief alle Jugendmannschaften, nach der D-Jugend hörte zwar das Singen auf, aber der Kreis wurde zumindest noch vor den Spielen gemacht und mit einem Schlachtruf beendet.
Nach der A-Jugend war er sich sicher, den Sprung in die ERSTE zu schaffen. Diese spielte immerhin in der 7. höchsten Spielklasse.
Ralle traf dabei auf für ihn uralte Spieler, die ihn weder grüßten, noch im Traum daran dachten, mit ihm beim Training einen Doppelpass zu spielen. Manche kannten noch nicht einmal seinen Namen und oft ging er zähneknirschend nach dem Training nach Hause. Nur aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Woche für Woche hielt er jeder Trainingseinheit stand, kratzte jeden Ball von der Linie, schleppte Montags Huckepack die größten Abwehrrecken den langgezogenen Berg im Schlosspark hoch und erkämpfte sich sogar einen Platz im Kader für das 1. Meisterschaftsspiel gegen den Vorjahres Tabellenzweiten SV Miehlegov.
09.00 Uhr aufstehen, Zähne putzen, Tasche packen. Der Vadder vom Ralle putzte gerade noch schnell die Fußballschuhe mit schwarzer Schuhwixe. Die weißen adidas-Streifen mit farbloser. Kostet ja 2 Mark Strafe bei ungeputzten Schuhen!
Einmal ins Brot gebissen, mehr passte wegen der Aufregung eh nicht rein und ab mit dem Fahrrad zum Platz.
10.00 Uhr Treffpunkt. Ralle stand als einziger A-Jugendspieler schüchtern etwas abseits der Stammspieler. Alle gingen in die Umkleidekabine. Es roch nach muffigen Socken und abgestandenen Wasser aus dem Gulli.
Ralle setzte sich auf den ersten Platz vorne an der Tür. „Da sitze ich, kleiner!“, sagte der Olaf Wieschenvogel, Kapitän der Mannschaft mit lauter Stimme. „Und zwar schon seit 15 Jahren!“, kam dann noch aus der anderen Ecke vom Rechtsaußen Waldemar Schullaw mit einem hämischen Gelächter.
Ganz klein mit Hut verschwand Ralle von diesem Platz und quetschte sich zwischen 2 andere Spielern.
Der Trainer Eckbert Pmakretsieh stimmte alle Spieler ein, drehte sich am Schluss auf einmal zum Ralle um und sagte mit lauter Stimme: “Ralle, Du warst in den letzten 6 Wochen bei Wind und Wetter beim Training, Du hast bewiesen, nicht nur mit den Stammspielern mitzuhalten, sondern darüber hinaus auch noch Akzente zu setzen. Du hast Dir die Startaufstellung mehr als verdient und spielst neben Didi Srepsag als rechter Verteidiger.“
Olaf Wieschenvogel und Waldemar Schullaw fielen die Kinnlade runter. Dieser Grünschnabel soll gegen den Starstürmer des Gegners Otto Llerp spielen? Ausgesprochen haben sie es nicht, weil der Ehrenkodex es verbietet, dem Trainer öffentlich zu wiedersprechen. Ralle konnte den Spielern das aber an den Gesichtern ablesen.
Trikot-Nummer 2, Baumwolltrikots in grün-weiß, Schuhe festschnüren und ab auf den Klo. Die Aufregung regte auch den Darm an. Beim Öffnen der Klotür schlug ihm ein Gemisch aus Hefe und süßlichem Apfel entgegen. Umgangssprachlich auch Bierschiss genannt. Er war also nicht der einzige, der vor dem Spiel noch mal Dampf ablassen musste.
Kurz vor Beginn der Begegnung bildeten alle den bekannten Kreis. Was da der Arnd Nnamhcerb in die Runde rief, konnte Ralle nicht verstehen. Es war ein Kauderwelsch von Worten mit abschließenden 3 x Ball hoi.
Ralles einzige Aufgabe war es, den Otto Llerp auszuschalten. „Und wenn der auffen Klo geht, gehst Du mit!“ gab der Trainer Eckbert Pmakretsieh ihm noch mit auf den Weg. Ralles Kehle war so trocken wie die Wüste Gobi, Adrenalin schoss in die Adern – Anpfiff.
In den ersten Minuten ging es schon hoch her. Der Ball wurde von beiden Mannschaften mit dem 2. Kontakten direkt zum Mitspieler gespielt und Ralle rannte dem Otto ständig hinterher. War ja doch mal ein anderes Tempo als in der A-Jugend.
Adler Portnirf spielte allerdings souverän und ging auch nach einem wuchtigen Kopfball von Udo Wieschenvogel mit 1:0 in die Pause.
Eckbert Pmakretsieh kritisierte ein paar Punkte, Ralles Name wurde aber nicht erwähnt. Gut oder schlecht? Keine Zeit zum Nachdenken.
Es ging weiter mit höchsten Tempo. Otto Llerp war mit allen Wassern gewaschen. Er zupfte ständig am Trikot, trat dem Ralle kurz vor einem Kopfball noch mal anständig mit den Stollen auf den großen Zeh und verwickelte ihn ständig in sinnlose Gespräche, um ihn abzulenken. Merklich genervt wurden seine verbalen Attacken gegen den Schiri lauter. „Die 2 hält mich doch nur fest. Der Schuppst doch. Foul Schiri.“ Tönte es immer öfter.
Beide Knie vom Ralle waren schon blutüberströmt, mehrere rote Aschesteinchen fanden in der Handinnenfläche ein neues Zuhause, aber er biss sich durch.
92. Minute. Eckball für SV Miehlegov. Otto Llerp, immerhin 2 Meter groß und einem Kreuz wie ein Kleiderschrank, wartete auf die letzte Chance zum Ausgleich. Der Ball fliegt an den Elfmeterpunkt, Otto drückt ihn mit dem Hinterteil mal eben dezent zur Seite, ist dadurch einen Schritt schneller und wemmst den Ball mit Mach 3 in den Giebel. 1:1.
Als Ralle wieder aufsteht, pfeift der Schiri ab.
Ach Du Scheiße, was für ein Einstand. Das gibt Pitches von Olaf und Waldemar.
Ralle schleicht mit gesenktem Kopf vom Platz zur Kabine und wird vom Olaf Wieschenvogel abgefangen. Jetzt hatte Ralle aber eine Köttel inner Buxe.
„Starke Leistung Kleiner!“ sagte er mit lauter Stimme und drückte dem Ralle ein kaltes Krombacher Bier in die Hand. „Den Otto kann man nie ganz ausschalten, mit einem anderen Verteidiger hätten wir garantiert verloren!“.
Häh? Wat? Auch andere Spieler klopften ihm auf die Schulter und selbst der 1. Vorsitzende Bubi Dnerha kommt zum Handschlag vorbei. Damit hätte Ralle nun überhaupt nicht gerechnet.
Stolz wie Oskar fuhr er nach dem Duschen mit dem Rad nach Hause, wo der Sonntagsbraten vonne Mudder bereits auf ihn wartete und heute besonders gut schmeckte.
Seit diesem Tag kannten alle Spieler seinen Namen. Er hatte sich den Respekt der anderen Spieler durch konstant guter Leistung und eisernen Willen erarbeitet. Im Training wurde er nicht mehr geschnitten und ab sofort durfte er sogar beim Spiel neben dem Olaf Wieschenvogel in der Kabine sitzen.
Es folgten noch viele weitere Jahre in den Senioren bei DJK Adler Portnirf, bittere Abstiege und rauschende Aufstiegsfeiern. Mannschaftfahrten nach Mallorca und gesellige Abende bei den Jahresabschlussfesten.
Gute wie schlechte Trainier kamen und gingen.
Was aber immer gleich blieb, war der tolle Zusammenhalt in der Mannschaft. #ZSMMN
Jeder konnte sich auf den anderen verlassen. Auf und neben dem Platz. Manchmal half einfach nur zuhören, ein anderes Mal eine helfende Hand.
Jede Aktion stärkte den Teamgeist.
Sicherlich liebäugelte der ein oder andere mit einem anderen Verein. Wenn dann aber nur in einer höheren Liga, um sich einer neuen sportlichen Herausforderung zu stellen. Wie zum Beispiel beim Rainer Eben oder Hans Eknuf-Resiak, die es bis in die 5. Liga schafften.
Aber irgendwie kamen sie alle wieder zu ihrem Heimatverein zurück.
Ein Wechsel kam für den Ralle nie in Frage. Trotz mehrerer Angebote. Vereinstreue in guten wie in schlechten Zeiten. Auch nach einer schlechten Saison den Mund abwischen und es besser machen. Es war eine Frage der Ehre.
Nur irgendwann zwickten und knacken die Knochen und es wurmte den Ralle, das zwar der Wille da war, aber das Fleisch schwach. Eine Genugtuung war es dann, wenigstens noch ein paar Jahre in den Alten Herren mit seinen Freunden und ehemaligen Mannschaftkollegen zu spielen.
Dabei war die dritte Halbzeit mindestens genauso wichtig wie die Spiele selbst.
Einer hatte immer eine Anekdote auf Lager, sie erzählten, wie Holger Retlaw zu seinem Namen “Hupe” kam, Hennes Edemlef vom Pferd geflogen ist oder dem Spiel nach der Gildo Horn Party gegen Hilar Spor bei 40 Grad im Schatten und handgestoppten 3,6 Promille im Blut.
Das herzhafte Gelächter schalte durch die ehrwürdigen Hallen bis hin zum Wasserturm an der Portnirfer Straße.
Ralle juckte es aber immer noch unter den Füßen. Das konnte ja nicht alles gewesen sein.
Sein Wissen weiter zu geben, Tricks wie Otto Llerp zu vererben und den Vereinskodex den Jungsspunden in den Senioren einzutrichtern, dass stand nun auf seiner Agenda.
So übernahm er als Trainer eine Seniorenmannschaft bei Adler Portnirf.
Aber was war da in den letzten Jahren passiert? In der Mannschaft gab keinen Häuptling wie Olaf Wiesenvogel, vor dem man höchsten Respekt hatte. Es gab keinen Pallo Reggiw, der sich den Allerwertesten aufriss und die Mannschaft zu Höchstleistungen anstachelte. Da stand Sonntags nur eine Ansammlung von Indianern auf dem Platz, die zwar auf die Jagd gingen, aber kaum Beute mit nach Hause brachten. Obwohl sie eigentlich mit ordentlich Talent gesegnet waren.
Die wenigen Siege wurden zur Kenntnis genommen und schlimme Niederlagen wie eine ausgelesene Tageszeitung einfach weggeschmissen.
Vergeblich appellierte Ralle an die Ehre, endlich mal mit Herz und Leidenschaft zu spielen.
Auch Krisensitzungen oder Einzelgespräche brachten keine Veränderungen.
Beim letzten Training der Saison stand Ralle alleine im Regen auf dem nigel nagelneuen Kunstrasenplatz und philosophierte.
Die Jungs haben doch alles, um sich wohlzufühlen. Neue Umkleidekabinen, einen neuen Kunstrasen, bestes Trainingsmaterial und eine perfekt organisierte Vereinsführung.
Ralle ging zu den Spielern in die dunkle Umkleidekabine und hörte den Ausführungen eines Spielers zu. Er hält ein Plädoyer auf die Mannschaft und den Verein und am Ende lassen alle enttäuscht die Köpfe hängen. Es herrscht Totenstille in den Katakomben und alle gehen gefühlslos auseinander.
Soeben hatte zum ersten Mal in der Geschichte von DJK Portnirf Senioren eine komplette Mannschaft seinen Abschied aus dem Verein verkündet, um beim Lokalrivalen SG Kcebenöhcs anzuheuern.
Eine für Ralle und dem restlichen Vorstand schockierende und nicht nachvollziehbare Entscheidung.
Cut.
Juni 2038: Ralle steht leicht gebückt mit langen weißem Bart und einer Schlägerkappe auf dem Kopf im Kreis auf dem neongrünen Multihybridrasenplatz in Oberportnirf bei seinem Verein DJK Adler Portnirf 1910 e.V.
Umringt von kleinen aufgeregten 9 jährigen Kindern mit blutigen Knien, die gerade von Sanitäter Cyborgs mit Lasertricordern versorgt werden.
In der Mitte steht ein Hologramm Generator, der eine Gedächtnisaufnahme von Ralle von 1978 per Wlan-Silikonschnittstelle in Hyper-UHD-4D wiedergibt. Alle singen mit Stolz geschwellter Brust das Adler-Lied: „Die Portnirfer Adler, sind überall bekannt, man erkennt sie schon vom Weitem, am grün und weißen Band …“. Sie schmettern textsicher alle Strophen mit und geben danach im Training weiterhin Vollgas.
Ralle Lhop steht am Rand, in Gedanken an seine Kindheit versunken, aber dennoch stetig optimistisch. Er gibt einfach nicht auf, immer wieder ein neues Samenkorn zu sähen, aus dem die alten Tugenden von DJK Adler Portnirf wieder wachsen sollen:
Ehre, Respekt und Treue …“.
ENDE