Umbruch am Wasserturm

Marcel Cornelißen:

Wie in jedem Jahr haben wir leider einige Spieler, die uns verlassen. Ganz besonders ist der Abschied von Christian Büttner, der 9 Jahre lang Teil der ersten Mannschaft von Adler Union Frintrop war. Mit 192 Pflichtspieleinsätzen steht er in der Historie seit der Fusion auf Platz 5, laut Fupa mit 15163 Minuten. Christian hat sich bewusst für eine Trainerlaufbahn entschieden, die im kommenden Jahr im NLZ von RWE beginnt. Dafür alles Gute und vielen Dank für die große Leidenschaft, mit der er sich um die Mannschaft verdient gemacht hat. Damit verlieren wir ein Gesicht der letzten Jahre. Aber wer weiß: Der Verein braucht zeitnah neue Trainer.

Zweiter Abgang eines langjährigen Spielers ist Timo Dapprich. Leider ist der Wechsel nach Homberg nicht so geräuschlos verlaufen, wie wir uns das nach 5 Jahren vorgestellt haben, aber 134 Spiele und 51 Tore sprechen für sich. Gerade in den letzten 1,5 Jahren hat Timo mit einer Leistungsexplosion dazu beigetragen, dass der Verein wieder in die Oberliga aufgestiegen ist und bis kurz vor Schluss davon träumen durfte diese auch zu halten.

Nach zwei Jahren verlässt uns auch Justin Kirstein. Justin hat einige Highlights, wie z.B. das Pokalspiel gegen RWO erleben dürfen und hat gerade auch in der Schlussphase dieser Saison seinen sportlichen Wert unterstrichen. Wie haben seine Mitspieler gesagt: wie verlieren einen Freund. Es fühlte sich nicht so an, als wenn er nur zwei Jahre hier gewesen wäre.

Nur ein Jahr bei uns waren Nils Verwold, Leif Linnig, Yan Marcos Friessner Montas, Noah Karthaus, Marlon Wiechert und Joel Kloßek. Auch hier haben alle dazu beigetragen, dass wir eine sehr gute Saison spielen durften und wir wünschen sportlich und privat alles Gute.

Damit wird der Umbruch leider größer ausfallen als ursprünglich geplant. Der Verein wollte mit diesem Kader im Grunde weiterarbeiten, leider haben sich einige Leute gegen diesen Weg entschieden, größtenteils aber aus verständlichen Gründen und auch offen kommuniziert. Kommen wir zur Kehrseite: Leider sind auch wir Opfer des modernen Trends „Wortbruch“ geworden. Ein Phänomen, was sich ganz offensichtlich in einer egozentrischen Welt immer weiter ausbreitet. Diese Tendenzen gab es schon immer, der Begriff Lügenmonat Juni wurde nicht erst vor 5 Jahren erfunden. Allerdings hat es uns diesmal dreifach erwischt und das bei eigenen Leuten. Wenn selbst die guten Charaktere nicht mehr zu ihrem Wort stehen, dann ist der Amateurfußball irgendwann am Ende oder jeder kleine Verein muss mit wasserdichten Verträgen arbeiten. Diese Leute machen sich keine Vorstellung davon, was ein Wortbruch für den Verein und die Verantwortlichen bedeutet. Auf Oberliga bzw. Landesliganiveau sind 20-25 Wochenstunden Arbeit für den Verein eher die Regel als die Ausnahme und wenn man immer wieder mit solchen Enttäuschungen konfrontiert wird, verliert man komplett die Lust auf sein eigentliches Hobby. Aber es sind nicht die Spieler allein: Die werden trotz öffentlich kommunizierten Verlängerungen von Vereinen angesprochen. Wenn dann auf einmal Summen im Raum stehen, die vorher nicht erreichbar schienen oder Versprechungen auf Spielzeiten, die sehr, sehr wahrscheinlich gelogen sind, dann ist das eine Versuchung, die nicht jeder widerstehen kann. Wenn man aktuell im Amateurfußball mit einem halbwegs intakten moralischen Kompass unterwegs ist, dann hat man schlichtweg einen Wettbewerbsnachteil. Das soll kein Jammern sein, der Fußball ist weiterhin die schönste Nebensache der Welt, aber er ist auch in den unteren Ligen ein (teilweise) moralisch verdorbenes Geschäft.

In 2 Tagen stellen wir euch den Großteil der Neuzugänge vor. Durch die kurzfristigen Wortbrüche kommen jetzt auch in der Sommerpause einige Arbeitsstunden auf uns zu.

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