







25 Jahre Spieler in Frintrop: Diese Momente wird Essens Torjäger Reiners nie vergessen
Interview von Fabrice Nühlen in der WAZ vom 13. Mai 2026
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Am 9. Mai feiert Yannick Reiners „Silberhochzeit“ mit Adler Union Frintrop. Im Interview blickt der Torjäger auf die schönsten Momente zurück – und schaut auch voraus.
Sein Leben lang spielt und stürmt Yannick Reiners für seinen Klub Adler Union Frintrop.
Sein Leben lang spielt und stürmt Yannick Reiners für seinen Klub Adler Union Frintrop.
Mehr als ein Dutzend Spieler im Kader von Oberligist Adler Union Frintrop sind unter 25 Jahre alt. Und dann gibt es Yannick Reiners: Der Top-Torjäger der Essener ist heute genau 25 Jahre Mitglied bei seinem Herzensverein. Seit dem 9. Mai 2001 spielt der 2,04-Meter-Hüne für Frintrop. Der größte Erfolg des 29-Jährigen war der Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Oberliga – und der Gewinn der Landesliga-Torjägerkanone 2023 mit 30 Treffern.
Heute – 25 Jahre nach Eintritt in den Verein – ist er nicht nur eine Identifikationsfigur, sondern auch Rekordtorschütze. Fast 200 Treffer erzielte der Stürmer als Seniorenspieler für Adler Union Frintrop. In der aktuellen Oberliga-Saison ist Reiners wieder einmal der beste Torjäger seines Teams – gemeinsam mit Dominik Stukator (beide elf Tore). Aktuell kämpft der Feuerwehrmann mit seiner Mannschaft um den Klassenerhalt. Vier Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz zwei Zähler.
Pünktlich zu seinem Jubiläum beim Essener Oberligisten lässt Yannick Reiners (29) die 25 Jahre bei Adler Union Frintrop im großen WAZ-Interview Revue passieren:
Yannick Reiners, 25 Jahre Adler Union Frintrop. Wenn Sie an früher denken: Welche Bilder oder Momente aus der Anfangszeit haben Sie sofort im Kopf?
„Silberhochzeit mit Adler, das klingt schon echt verrückt (lacht). Meine Mama sagt sogar, dass sie mich noch eher zu den Mini-Adlern gebracht hat, aber da brauchte es noch keine Anmeldung. Das ist gar nicht so leicht, weil als Drei- oder Vierjähriger realisiert man das alles ja noch gar nicht. Ich kann aber mit voller Überzeugung sagen, dass das eine sehr schöne Zeit und eine tolle Kindheit war mit vielen großartigen Menschen, von denen ich mit manchen heute noch teils sehr gut befreundet bin. Ich bin froh, dass mich meine Eltern damals immer zum Platz gebracht und mir diese Zeit ermöglicht haben. Damals wurden die Schlachten noch auf der schönen Asche geschlagen und wir haben uns in Käfigen umgezogen, mittlerweile hat sich einiges getan auf der Anlage.!
Es bestand oft die Möglichkeit zu wechseln. Gab es einen Moment oder ein Angebot, bei dem Sie wirklich mal überlegt haben zu gehen – und warum sind Sie am Ende doch geblieben?
„Die Möglichkeit hat sich eigentlich erst nach zwei, drei Seniorenjahren ergeben. Da war man bei den ersten Gesprächen auch erstmal ein wenig überfordert und gleichzeitig aber auch erfreut, weil Vereine Interesse signalisiert haben. Finanziell waren über die Jahre durchaus lukrative Angebote dabei, aber im Endeffekt habe ich mir immer gesagt, dass ich mit Fußball nicht mein Geld verdiene und sowieso kein Profi mehr werde. Was ich bei Adler bekomme, ist für mich immer ein nettes Taschengeld für Urlaube. Mit seinen besten Freunden mittlerweile auf so einem guten Niveau spielen zu können, ist durch ein paar Scheine nicht zu ersetzen.
Wir als Mannschaft freuen uns einfach, wenn wir für die „kleinen“ Adler ein Vorbild sein können. Wenn die nach dem Spiel mit uns abklatschen und sagen, dass wir gut gespielt haben, gibt das ein gutes Gefühl.“
Viele Spieler sind wichtig für einen Verein – aber nur wenige werden echte Identifikationsfiguren. Wann haben Sie gemerkt: „Ich bin hier mehr als einfach nur Stürmer“?
„Damals war es normal, dass man seine ganze Jugend bei einem Verein gespielt hat, wenn nicht gerade ein NLZ angefragt hat. Dass es etwas Besonderes ist, wurde dann in den ersten Seniorenjahren klar. Wir haben als fast kompletter 96/97er-Jahrgang die Chance bekommen, die erste Mannschaft in der Bezirksliga zu stellen, wovon mit Jimmy (Felix Ohters, Anm.d.Red.) und Rübe (Jonas Rübertus, Anm.d.Red.) auch heute noch zwei Jungs aktiv dabei sind. Das mit der Identifikationsfigur hat sicher auch damit zu tun, dass ich allein wegen meiner Größe auf dem Platz auffalle. Wir als Mannschaft freuen uns einfach, wenn wir für die „kleinen“ Adler ein Vorbild sein können. Wenn die nach dem Spiel mit uns abklatschen und sagen, dass wir gut gespielt haben, gibt das ein gutes Gefühl.“
Sie haben unzählige Tore gemacht. Gibt es eins, das sportlich vielleicht gar nicht das Wichtigste war, emotional aber alles übertroffen hat?
„Als Stürmer wird man immer an Toren gemessen und wenn es mal eine Phase gibt, wo es nicht so gut läuft, ist man froh, wenn der Knoten platzt. Da fällt mir spontan mein Tor gegen Rellinghausen ein – kurz vor unserem ersten Oberliga-Aufstieg. Vorher hatte ich fünf Spiele nicht getroffen und nach diesem Tor habe ich in der gleichen Partie noch zwei weitere Treffer nachgelegt. Ansonsten ist sicher auch das erste Senioren-Tor als A-Jugendlicher etwas Besonderes. Damals habe ich gegen Genc Osman auf Rasen kurz nach meiner Einwechslung das 3:2 geschossen und wir haben 4:2 gewonnen.“
Wenn Sie an die Mitspieler über all die Jahre denken: Wer hat Sie menschlich oder fußballerisch am meisten geprägt – und warum?
„Es wäre unfair, hier jetzt einzelne Namen zu nennen. Ich habe viele sehr gute Freunde durch meine Zeit bei Adler gefunden, die ich in meinem Leben auch nicht mehr missen möchte. Wir haben sowohl auf als auch neben dem Platz unendliche schöne und legendäre Momente erlebt, für die ich sehr dankbar bin. Ich hoffe, dass in Zukunft noch einige dazu kommen.“
Wenn Sie den Verein in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?
„Heimat, Zusammenhalt, einzigartig. Viel mehr brauche ich dazu gar nicht sagen.“
Stellen Sie sich vor, Sie stehen in 20 Jahren als Fan an der Seitenlinie in Frintrop: Worauf würden Sie am liebsten zurückblicken und sagen „Dafür hat sich alles gelohnt“?
„Ich hoffe natürlich, dass sich der Verein, auch wenn wir alle irgendwann in Fußballrente gehen, weiter auf einem guten Level hält. Und wer weiß: Vielleicht kann ich mal meinen Kindern auf dem Platz zusehen. Natürlich kommen dann die klassischen Floskeln, wie viel besser wir das früher alles gemacht haben“ (lacht). Früher spielte der der Stürmer noch auf Asche, heute auf Naturrasen oder Kunstrasen.“
Gibt es noch einen Traum, den Sie sich mit Adler unbedingt noch erfüllen wollen – auch wenn viele vielleicht denken würden, dass Sie schon alles erlebt haben?
„Wenn wir dieses Jahr in der Oberliga die Klasse halten, haben wir unseren allergrößten Traum erfüllt und gezeigt, dass wir auf diesem Niveau wirklich mithalten können. In Zukunft werde ich die Band dann nochmal zusammentrommeln und wir werden in den alten Herren oder vielleicht in einer vierten Mannschaft einfach nur noch Spaß am Kicken haben.“











